Bundestag und heimischer Stammtisch divergieren kaum. Auch diesmal nicht. Hr. Schäuble hatte schon so etwas wie den "terroristischen Angriff auf Deutschland und alle westlichen Demokratien" im Mund und die Kollegen beim Bierchen auch - nur etwas lauter und umgangssprachlicher. Leider waren es dann wohl doch "nur" kriminelle Lösegelderpresser und eigentlich könnten sich die Medien neuen Katastrophen zuwenden. Aber halt, ruft da der angehende Blöd-Redakteur! Da war doch noch was! Geht da vielleicht noch was! Abba klaro:
"Die ist ja gar nicht dankbar, dass *wir* sie befreit haben! Die zeigt sich ja gar nicht demütig, obwohl wir ihr doch das Leben gerettet haben. Das geht doch nicht! Eine Deutsche mit Schleier vor Fernsehkameras. Das darf nicht sein! Die kann doch nicht wieder in den Irak gehen, jetzt da wir Millionen von Euro für ihre Freilassung aus unseren Steuergeldern bezahlt haben!"... usw. usw...
Wir Deutschen, die wir am Irak-Krieg offiziell nicht beteiligt sind, hätten eine Heldin des Krieges bekommen können. Die Schlagzeilen, die unsere Heldin aufbauen sollten, waren alle schon fertig. Publiziszische Strategie und Taktik standen bereits fest. Und dann spielt "diese Frau Osthoff" das Spiel nicht mit. Will sogar zurück in den Irak. Dann interessieren uns ihre Gründe natürlich auch nicht mehr. Demontieren wir sie!"
So, oder so ähnlich wird es wohl auch in vielen Redaktionsbüros zugegangen sein.
Wie weit die Fähigkeit von Medien zur kollektiven Meinungsbildung schon gediehen ist wird hier mehr als deutlich. Oder sollte man das doch besser Manipulation nennen, was unter dem MetaSlogan "
Bild Dir deine Meinung" verkauft wird? Das macht mir mehr Angst als ein möglicherweise "abnormes" Verhalten irgendwelcher Personen. Die Reaktionen auf den "Fall Osthoff" sagen viel aus über den bedenklichen, geistigen Zustand durchschnittlicher deutscher Medienkonsumenten: Im freien Fall...