Lokalpresse feiert Flughafen-Bauantrag

Der Chef des Flugplatzes Kassel-Calden, Jörg Ries, hat gestern die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zum Bau eines Flughafens beim Regierungspräsidenten eingereicht. Die Lokalpresse feiert dieses Ereignis auf Seite 1 mit entsprechend lautem Gejohle:

„Jetzt wird’s konkret“
(Anm.: Nicht zu verwechseln mit „jezz geht’s lohos!“ vom Fussball!)

„Nach menschlichem Ermessen [...] wird der Bau… nicht mehr zu verhindern sein“.
(Anm.: Einwände von Betroffenen werden garantiert souverän zurückgewiesen)

„In wenigen Jahren wird man von Calden aus täglich in den Urlaub fliegen können.“
(Anm.: Was früher schon nicht funktioniert hat!)

„Das ist sozusagen der Bauantrag. 18 Monate lang wird nun das Regierungspräsidium die Unterlagen prüfen. Am Ende steht der Planfeststellungsbeschluss. Der ist gleichzusetzen mit Baurecht. Dagegen können die Bürger klagen. Danach können die Bagger anrollen.“
(Anm.: Soll wohl meinen „Sollen die doch ruhig klagen… ist zwecklos!“)

„Aber auch schon während des Verfahrens sind Bürger, Verbände und Kommunen beteiligt. 2100 Aktenordner mit einem Gesamtgewicht von über vier Tonnen werden in 16 Städten und Gemeinden öffentlich ausgelegt.
(Anm.: Wer damit liebäugelt soll gleich wissen auf was er sich einlässt?)

„Und so massiv die Widerstände vor allem in Hann. Münden sein mögen: Es gibt keine rechtlichen Möglichkeiten für die Dreiflüssestadt, den Prozess zu stoppen.“
(Anm.: Damit ihr Mündener es nur gleich wisst!)

Wirtschaftswissenschaftler und Kritiker warnen seit Jahren:
  • Die Zahlen der Kalkulationsmodelle stimmen einfach nicht!
  • 151 Mio. reichen zum Bau nicht aus und auch die laufenden Kosten werden aufgrund des fehlerhaften Kalkulationsmodells nicht gedeckt werden können.
  • Die angestrebten Fluggastzahlen und Frachtzahlen werden nicht erreicht.
  • Alle früheren Versuche mit Ferienfliegern wurden nach kurzer Zeit aus Wirtschaftlichkeitsgründen eingestellt – trotz Subventionierung.
  • Allenfalls bei nächtlichen Frachtflügen könnte für Kassel von Frankfurt etwas abfallen solange in Frankfurt (noch) ein Nachtlandeverbot besteht.
  • Im Umland gibt es schon mehrere, bereits gut funktionierende Flughäfen.
  • Der Kasseler Flughafen hat Nachteile bei Infrastruktur und Geografie
  • Es gibt keine Autobahnanbindung und keine ICE-Anbindung, dafür steht auch noch der Dörnberg im Weg.
  • Die propagierten 2000 Arbeitsplätze werden nicht erreicht werden können.
  • Der Flughafenbau ist ein Prestigeobjekt von Politikern und Lobbyisten.

 
Wir feiern mit
Hier im fernen Göttingen (Südniedersächsische Toskana) haben auch manche ein Auge auf die vorwitzigen Caldener Aktivitäten. Und zwar ein beunruhigtes Auge.
Uns reicht das hier eigentlich völlich, zB von Paderborn aus täglich in Urlaub fliegen zu können. Mehr als 1 mal täglich wär sowieso übertrieben. Denkt man.
Und Calden is letztlich nicht näher als PB, wenn man den Zeitverbrauch mal so im Ernst als Maß nimmt.
Aber der Ruheverbrauch, Platzverbrauch und ganz allgemein Umweltverbrauch, den die Caldener da einfach mal so verbrechen wollen, der steht doch in keinem Verhältnis zu irgendeinem Nutzen.
Und wenn die in der Pampa nun lauter so Mini-Flughäfen künstlich päppeln, werden die in Bälde alle gemeinsam den Bach runtergehen. Bestimmt.
Und dann haben wir reichlich Geld verplempert und müssen uns auch noch mit den riesigen versiegelten Flächen rumärgern.
Nee nee, also klares Plädoyer: Calden nein danke!



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