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24. Januar 2007
Wie kommt es eigentlich, dass jeder Werksportier zumindest der Sage nach entweder
a) einbeinig b) einäugig c) einarmig d) schlecht gelaunt e) überkorrekt und/oder dazu noch augesprochen unfreundlich ist? Gibt's da eine Werksportier-Sicherheitsausbildung die das fordert oder sogar zwingend vorschreibt und mit der ich nicht umgehen kann und die mir eigentlich egal, sogar ausgesprochen lästig ist? Freitag mittag. Perfektes Wetter zum Bildermachen, seit ein paar Wochen habe ich mir vorgenommen, die alte Fabrik im nächsten Ort zu besuchen. Bilder von draussen, Bilder von drinnen. Produziert wird hier schon längst nicht mehr, Henkelmann und Blaumann hatten gegen die Fusionswellen der Global Player noch nie eine Chance. Verlassene Fabriken und längst abgehalfterte Produktionsstätten haben mich immer fasziniert. Die Batterien nochmal geladen, die Karte geputzt - der Freitagnachmittag kann kommen. Die alten Ziegelgebäude sind entweder vermietet oder verfallen malerisch vor sich hin, zwischen alten Stahlträgern, Moos und wucherndem Unkraut nur ein riesiges Schlagloch mit ein bisschen Asphalt drumherum, ein Musikstudio hat hier seinen Sitz, ein schmieriger Gebrauchtwagen-Aufbereiter (vermutlich Ost-Export), früher auch ein Filmstudio. Einmal war ich schon auf dem Gelände, vor zwei oder drei Jahren, und habe 20 Minuten lang dieses Filmstudio gesucht. Die alten Hallen waren schon damals ein Hingucker, meine Kamera (und die daraus resultierenden Bilder) leider nicht. Damals durfte ich rein, ganz problemlos wurde ich durchgewinkt, das kann aber auch am Auto, der Krawatte und der Mission gelegen haben. Ein ungeschriebenes Gesetz hierzulande besagt: Wer mit farblich korrekter Krawatte, einer möglichst exotischen Mission (Kommunales, Musik und Druck geht grundsätzlich, auch Rechnungswesen wird immer gerne genommen) und möglichst protzigem Auto (vorzugsweise in gedeckten Farben) vorfährt ist seriös, ein wirtschaftswichtiger Faktor, wird zuvorkommend behandelt, hat Zutritt zu Fast Allem. Auch die Beherrschung der Landessprache als Unterpfand für ein wohlwollendes Verhalten ist nicht zu unterschätzen. Grenzen des Machbaren setzen hierbei eigentlich nur die wirklich nicht ohne persönliches Risiko zu umgehenden Vorschriften. Denn schliesslich: Man kann ja nie wissen, wen man da vor sich hat - vielleicht wird man auf Seite drei erwähnt oder baut eine beruflich relevante Connection auf; Freund, Sohn oder Tochter, ja, vielleicht sogar man selbst könnte eines Tages davon Gebrauch machen... Wer aber in Jeans, Parka und mit Digitalkamera andackelt ist verdächtig und bleibt aussen vor, das ist ein Wasserträger, schlimmstenfalls ein als unwichtig oder gar unseriös einzustufender Freak. Dementsprechend verhält sich auch mein sympathischer Freund, der Werksportier. Ergo: Kein Zutritt. Beim nächsten Projekt bin ich besser vorbereitet, die Turnschuhe bleiben im Schrank. Dresscode? Kein Problem, Amigo. Und irgendwo fliegt auch noch ein Presseausweis rum. ... comment |