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und schmeckte er noch?
und schmeckte er noch?
by nase (So, 09:10)
Fressnapf

made with antville
Freitag, 19. Oktober 2007
[01:54]
Erst mal zwei Wochen Krankenschein. Man kann's auch übertreiben. Aber so bleibt wenigstens der Urlaub stehen bis man den neu verplanen kann. Und der Alte hat's immer noch nich überstanden. Ich glaube da ist jemand sehr, sehr stinkig. Aber das hören wir dann morgen abend.
...
Die Stöckchen-Schulden schreib ich noch ab, Frau schneckle. Ist nur im Moment bisschen viel zu tun & hab ich keine Zeit.
Mach ich aber, grosses Indianer-Ehrenwort & geschwört.
Wann kriegt man schon mal 1 Stöckchen.
...
Also weitermachen.
*wurks*
...
[02:19]
Ich möchte jetzt das Impromptu in As-Dur von Schubert. Ich brauche das jetzt. Aber ist natürlich nicht verfügbar.
...
Dem Schäff sein Sohn ist noch bis Anfang November da & hilft. Das ist gut.
Der Freund vom Schäff kommt (hoffentlich) wieder mit & hilft. Das wäre auch gut.
Ich sollte jetzt endlich den A*r*s*c*h hochkriegen, das wär wohl am Besten.
Naja.
...
[03:01]
So, grad mal 1 Mail gemacht. Ich glaub, es hat mich wirklich ein bisschen erwischt. Puh. Kann ja nur mir passieren. Wenn sie so hübsch wie nett ist hab ich das vielleicht gar nicht verdient, wer weiss. Ist aber eigentlich egal, glaub ich, das mit dem Aussehen. Ich bin mir sogar ziemlich sicher: Es ist mir wurscht.
...
[03:06]
Jetzt muss ich aber wirklich was tun. So spät schon wieder.
Meyne Guethe.
...
[03:10]
Die sagt einfach: "Ich komm nicht." Und schickt dann die Anderen vor, Anrufe machen. Gestern nacht, um 10 vor Eins ruft die Sister an, sie wolle "nur kurz Bescheid sagen", von wegen "ihre Schwester sehe sich momentan ausserstande zur Arbeit zu kommen". Was will die denn machen da unten, im OP assistieren wenn sie an dem Alten rumschnippeln oder was. Dem Schäff sein Jung war ganz schön sauer. Und heute kommt die Sister extra aus Frankreich, Krankenschein abgeben. Ziemlich eindeutig, wie. Hat sich selber nicht getraut, die Tussi. Da müssen dann die Anderen ran. Das nenn ich doch mal manipulatives Verhalten.
Aber echt.
...
Frühstück eindecken. Tagesabschluss. Listen, Papier schieben. Ich würde jetzt auch lieber was Anderes machen, das können Sie mir glauben.
Hm.
...
[04:31]
Fast auf die Sekunde genau 1 Stunde für Eindecken, Buffet etc. Ich bin so stolz auf mich.
...
Tagesabschluss läuft grad, hab ich noch bissi Zeit.
...
Dass in der Gastronomie viel getrunken wird ist ja kein Geheimnis. Küchenchefs, die den Kochwein wegputzen. Kellner, die heimlich an der Flasche nuckeln. Ich kannte mal einen Sommelier, der hat nach dem Service die Reste aus den Gläsern zusammengekippt und dann abgeschluckt. Kein Witz. Gut, das ist dann auch schon extrem. Aber da könnte ich stundenlang erzählen; von drastisch abnehmenden Cognacvorräten in der Küche, Spülern die sich um acht Uhr morgens schon den ersten Schuss geben (wenn sie nicht mit ordentlich Standgas vom Vortag ankommen). Zimmermädchen, die heimlich die Minibar filzen. Die Liste ist endlos, ich könnt 1 Buch schreiben. Und wer weiss ob ich das nicht noch tue. Book On Demand druckt ja jeden Scheiss.

Mein erster Chef hier in Luxemburg, der sich buchstäblich ums Leben gesoffen hat. Der frühere Arbeitskollege, spätere Freund und noch spätere Chef, der sein ganzes Leben jeden Franc gespart hat um seinen eigenen Laden aufzumachen. Wir haben das Ding zusammen hochgezogen, bis ich irgendwann wirklich genug hatte von seinen Kapriolen. Und der dann innerhalb von 6 Monaten Alles, wirklich Alles versoffen hat. Heute kellnert er wieder, zum Mindestlohn und ist jeden Abend stralle. Wir grüssen uns noch, mehr nicht.
Rudi, der Leadgitarrist damals, in der Band. Wir beiden waren die Einzigen, die nach jedem Job pickepackevoll waren. Natürlich hatten wir jede Menge Fun (auch wenn das mit den Groupies nicht so war wie es sein sollte). Das ist immer so, in dem Alter. Super Gitarrist, schräger Humor zum Gotterbarmen, wir haben (ausser in den Proben und auf Gig) nur Blödsinn gemacht. Aber Rudi hat irgendwann die Kurve nicht mehr gekriegt. Auto versoffen, Haus versoffen, Job versoffen. Alles weg, auch die Gitarren, sogar die Anlage und die Plattensammlung. Heut sitzt er in einem kleinen Apartment und nimmt Schnaps zum Frühstück.
Sowas macht mich immer sehr traurig - nicht, dass ich deren Leben leben könnte. Aber dass am Suff auch immer die Freundschaft scheitert, das ist schlimm.

Und jetzt also Mr. Indio, auch ein früherer Kollege der jetzt 500 Meter die Strasse rauf arbeitet. Super nett, super Job, lebenslang (staatlich), super Gehalt, umwerfend tolle Frau. Jahrelang in die Ausbildung investiert (hervorragender Sommelier). Voriges Jahr Haus gekauft. Und Alkoholiker.
Morgen hab ich (voraussichtlich) ein Date mit der Freundin/Frau. Sie "muss endlich mal reden" sagt sie. Ich werd vorsichtshalber eine Wagenladung Taschentücher mitnehmen - klingt nicht gut, was sie da erzählt hat am Telefon heute nachmittag. Sie klang auch nicht so besonders. Gar nicht gut, um genau zu sein. Von Weggehen ist die Rede gewesen, sie schafft das nicht mehr, mit dem Job und den Kindern, mit der alten Mutter und der Hausarbeit. Kaum noch Freundinnen, keine Zeit mehr für gar nichts; mehr oder weniger versteckte Kontrollen "Wo warst Du" und "Was hast Du gemacht". Druck statt Verständnis, die Flasche fest im Griff. Nein, das hört sich ausgesprochen beschissen an.
Jetzt schlägt das bei ihr auch auf die Gesundheit. 47 Kilo wiegt sie noch, ich will mir gar nicht vorstellen was mich da erwartet.

Sein Nachfolger da im Laden wo der vorher war fängt jetzt auch langsam an: Gläschen Wein zum Essen, oder zwei. Auch schon mal ne Flasche zum Mitnehmen, die übrig ist. Das Regal bei ihm zuhause ist gut bestückt. Die Freundin ist ihm vor drei Wochen abgehauen, hat er mir in der Kneipe erzählt und darauf gleich noch einen gehoben.

Ich giess mir auch hin und wieder gern mal einen auf die Lampe, und mit Allem rundrum hier ist das im Moment auch ziemlich viel. Aber Gott sei Dank scheine ich wohl so gepolt zu sein dass da irgendwann immer von selber Schluss ist; da geht dann wochenlang einfach nix rein. Schwein gehabt, bei Licht betrachtet. Davon würd ich manchmal gern was abgeben, auch dem da mit seiner wunderbaren Frau.
Aber das muss er selbst in den Griff kriegen.
Ich wünsch ihm dass er's kapiert und durchhält. Wirklich.
...
[06:55]
Manni konnte man prima ärgern. Es gab natürlich vielerlei Möglichkeiten, aber 2 Sachen waren todsicher. Immer.
Zum Einen konnte man über sein Essen lästern. Das ist natürlich nicht nett, und man muss da sehr subtil vorgehen will man nicht riskieren das orale Äquivalent zum Presslufthammer an den Kopf zu kriegen. Vorsicht war also geboten, und so geht's:

Coxi eiert in die Küche & ruft die Menudesserts ab: "Zweimal Crème Brulée für die Damen können mit wie fertig". Manni schiebt.
2 Minuten später (war natürlich noch nich fertig, kann ja gar nich) ruft Chrissie durch die Tür:
"Die beiden Brüllercrème waren für heute."
Ich tauche hinter dem Posten ab und feixe mir erst mal Einen. Manni schielt misstrauisch und befingert nachdenklich seine Nase.
Wenn ich sicher bin dass das Pokerface halten würde komme ich wieder hoch:
"Ich glaub die beiden Vanillepudding kannst du jetzt aber wirklich schicken."
Bingo.

Man konnt ihn auch in ein Gespräch verwickeln von dem man sicher war dass er für oder gegen irgend etwas Partei ergreifen würde. So wird's was:
"Also, die neue Scheibe von [hier passenden Bandnamen einsetzen] ist aber wirklich Scheisse." Hier musste natürlich sichergestellt sein dass
a) die CD grade im Rolling Stone besprochen worden war (am Besten noch von Doebeling. Wolfgang Doebeling war Gott)
b) Manni die Scheibe grade für teures Geld im Shop unten im Dorf erstanden hatte (Amazon ging auch, war aber billiger & nich wirklich der Bringer)
c) er die Musik gut fand
Dann ging das richtig ab. Und wenn er grade so schön in Fahrt war und ein (seiner Meinung nach) stichhaltiges Argument gebracht hatte: "Mir doch egal." Da konnte man sehen wie das am Hals hochgekrochen kam. Jetzt musste man die Sachlage abkühlen lassen. Chrissie & Coxi standen im Büro & lauschten, ich sag mal nur Honigkuchenpferd.
Wenn er grade mitten im Fleischbraten war dann der nächste Hieb: "Also [hier passenden Künstlernamen einsetzen] kommt da aber gar nicht richtig rüber, der hat auch ganz schön nachgelassen."
Wirkung peilen, notfalls nochmal nachlegen:
"Würd ich nich mal als Nice Price kaufen." Er konnte nicht vom Herd weg, konnte auch nix sagen weil er war ja im Seich. Also genug Zeit, dass er sich was überlegen konnte. Sobald das Essen durch den Pass war kam auch prompt das Argument.
"Mir doch egal". Das war's. Bis zu den letzten Desserts ging erstmal gar nix mehr.
Wenn wir dann beim Saubermachen waren, ganz unbedarft: "Ich find' ja auch der Doebeling ist ein ganz schön arroganter Sack.". Stimmt natürlich nicht, ich hab den als sehr klugen und freundlichen Mensch kennengelernt, das muss ich hier dazusagen. Aber das wusste Manni ja nicht.
Und wenn er dann wieder richtig in Fahrt kam: "Mir doch egal." Ich war danach immer gut beraten erst mal nach draussen Eine rauchen zu gehen.
Wenn ich später wiederkam dann nur noch ganz lässig: "Ach, so Scheisse sind die ja gar nicht. Wollen wir das nicht mal zusammen anhören." Dann noch Gläschen Wein ausgeben, und die Sache war geritzt. Alle waren zufrieden & die Welt war wieder in Ordnung - bis zum nächsten Mal.

Ja, so war das damals. Was haben wir gelästert. Mit Chrissie & Coxi & Manni. Und über mich.

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beileid
[ihnen, nicht der tussi]

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[Danke schön.]
Die kriegt das schon noch, warten Sie nur mal bis der Schäff morgen wieder da ist. Er ist sehr stinkig, glaube ich. Sein Freund ist sehr stinkig, glaube ich. Sein Sohn ist überaus stinkig (weiss ich). Die sägt an ihrem eigenen Grab.

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