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und schmeckte er noch?
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by nase (So, 09:10)
Fressnapf

made with antville
Montag, 1. September 2008
Gestern den Schäff erfolgreich in den Urlaub getrunken. Wir waren sehr betrunken, heute ist ja freier Tag, da kann man sowas schon mal machen, naja.
Bei dem könnte sich mancher junge, dynamisch-erfolgreiche GröGaZ eine Scheibe abschneiden. Pünktlich um 09:15 aufgewacht; mentale Notiz gemacht: Montag wird nicht gearbeitet.
Es ging mir nicht gut. Nein, gar nicht.
...
Die Kauleiste ist schon ein wenig lückenhaft, dafür sind es noch immer seine Zweiten. Anfang der 1990er ist er gekommen, mit der ersten Welle der Flüchtlinge. Ehrliche Arbeit: um viertel nach 6 klingelt der Wecker, eine Kleinigkeit zum Frühstück, Pausenbrot und Mittagessen in der Tasche zum Bahnhof. Der Zug braucht eine gute halbe Stunde, nach weiteren 10 Minuten dann schwere Kartoffelsäcke schleppen bis um 5, nach Feierabend kommt er zu uns und spült Teller, Pfannen, Töpfe und hilft wo er kann. Nach dem Alter habe ich nie gefragt, aber er wird wohl so um die 50, 55 rum sein. Ruhig, fast sanft, immer ein gutes Wort, ein freundliches Lächeln auch nach dem härtesten Arbeitstag.

Der Nachbar hat die zurückgebliebene Familie denunziert. Zwei Tage später kamen die Soldaten, was im Hof nicht zerschlagen, verbrannt oder abgeschlachtet wurde haben die Minen vertrieben, nach Montenegro. Den Sohn haben sie mitgenommen, nach drei Tagen Folter bestialisch umgebracht. Das einzige Mädchen, damals knapp 14, missbraucht und verschleppt. Seine Frau ist fast daran zerbrochen, so erzählt er mir zwischen angebranntem Tomatensaucentopf und Fischpfanne. Die Pfanne zischt noch, als er sie ins seifige Wasser taucht; ich habe sie gerade erst gebracht. Das hat er nie verstanden - sie haben sich gegenseitig geholfen - bei der Arbeit auf dem Feld, mit Maschinen, gute Nachbarn in einem kleinen Dorf.

Es ist schwierig, nach Vermissten zu suchen, niemand will etwas wissen, weiss vielleicht wirklich nichts; wer will das schon sagen. Aber sie geben nicht auf. Noch immer hoffen sie auf ein Wunder.

Ein ehemaliger Soldat - er hat sie ausgeschmuggelt und die zurückgebliebene Familie vor den schlimmsten Folgen bewahrt - versucht noch immer, das Mädchen zu finden; es ist sein Schwager. Probleme wegen der unterschiedlichen Religionen gab es nie, sie kannten sich schon als Jungs, Allah oder Christus, das hat sie nie interessiert. Seine Schwester ist konvertiert, das Verhältnis zwischen ihnen ist bis heute ungebrochen gut. Den Jahresurlaub haben sie dort verbracht, aber alle Nachforschungen sind bisher im Sande verlaufen.Die Frau geht jetzt putzen, halbtags. Das hilft ein bisschen, sie wollen wieder zurück und weiter nach ihrer kleinen Marischa suchen.

"Krieg ist Scheisse" sagt Mehmet. Dann holt er einen neuen Kanister Spülmittel, nimmt das restliche Geschirr mit in die Spüle. Um halb zwölf ist er zuhause wenn er den Zug noch schafft. Und um viertel nach sechs klingelt wieder der Wecker, damit er den Zug zur Arbeit nicht verschläft.

Er hat seinen Zug noch gekriegt; der Alte hat ihn zum Bahnhof gefahren, dann haben wir uns den restlichen Abwasch an dem Abend geteilt, der Alte, der Koch und ich.

Das werden wir wohl in Zukunft so halten.

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