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Fressnapf

made with antville
Donnerstag, 11. Oktober 2007
[03:41]
Also doch Freitag & Samstag frei, jetzt.
Mal sehen ob das wirklich das letzte Wort ist.
...
[4:57]
*patsch*
Die schmeissen die Zeitung immer noch in den Dreck. Schon wieder klatschnass, gestern. Dabei hab ich vorige Woche erst angerufen.
Ich mach ihm tot wenn ich ihm kriech, die Saujung.
...
[05:18]
Gestern dann mal noch 1 Bekannten getroffen, bisschen Klatsch austauschen was so abgeht bei denen im Hotel. Kamen wir auch auf "Fachkräfte" zu sprechen, er bietet an, sagt zu & schickt mir dann diese Nacht ne Mail. Von einem seiner Kollegen, dessen Zeugnis "Englisch: Gut" ausgewiesen hat bei der Bewerbung.
Natürlich rein zu Demonstrationszwecken.

hello mme [GASTNAME IN KAPITÄLCHEN] , we recived your mail ,reservation .for the
date 10octobre 14 octobre . i confereme this resernation , thank you.


Hier noch 1, selber Kollege, vermutlich:

hello mr [gastname durchgängig klein geschrieben] ,we recived your mail reservation , for the date 15-18 octobre
,pou une chambre simple , ans we conferme your this reservation , thank
you.


Können Sie erraten worum es dabei geht?
...
[05:29]
Brötchen haben fertich. Was bin ich tapfer, ne.
...
Ich werd mich mal erkundigen wie das mit Steuern & so für Selbständige aussieht. Gibt da so 1 Programm zur Förderung, jetzt.
Mannomann.
...
[05:39]
Ach ja.
...
[05:51]
Croissants haben fertich, gleich mal 1 beiseite geschafft.
...
Der Bekannte berichtet dass sie zwischen 9 und 13 Tausend Euro Verlust haben durch NoShows, jeden Monat. Das ist ja wohl der Hammer. Ich frag mich was da im Back Office abgeht. Nicht viel, wahrscheinlich.
Aber bei der Mail da wundert mich das auch nicht.

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Sonntag, 7. Oktober
[04:54]
Sodele. Mucke hat fertich, da wird sich (hoffentlich) jemand freuen.
...
[05:02]
Nächste Woche Samstag gips Feuerwasser vom Feinsten. Vom Portugiesen. Vom Vater gemacht. Aus dem Eichenfass, nach 15 Jahren. Goldgelb, schön lecker.
Es gibt Dinge, die kann man auch mit der Visa-Card nur über Beziehungen kaufen.
...
Ich will nach Hause, in mein Bettchen. Kotzmüde, ich könnte schreien, und ganz kleine Äuglein, schon. Diese auseinandergerupften freien Tage, das bringt's nicht, das sollte eigentlich schon längst vorbei sein & kann ich das nicht mehr ertragen jetzt. Alle haben schon wieder Urlaub gehabt oder kriegen noch. Nur ich bin wieder mal sparsam & genügsam & habe Verständnis & Geduld.
Dabei bin ich doch sonst nicht so.
Sparsam, meine ich.
...
[05:10]
Heute keine Zeitung, es ist ja Sonntag. Die ZEIT von letzter Woche hab ich immer noch nicht gelesen. Heute früh auch keine Schlipsträger mit Businessanzug, Nuttendiesel und Firmenrechnung. Dafür aber viele, viele hungrige kleine Monster.
Käse, Wurst, Schinken, Gedöns. JoghurtMarmeladeStreichkäseMüsliCornflakes. Und Brötchen, natürlich. Wie ich sie hasse. Meine ganz persönliche Nemesis, ich kann das gar nicht oft genug sagen. Eines Tages werde ich sie alle verbrennen, vorsätzlich. Ich werde zuschauen wie sie von goldgelb über kräftig braun zu rabenschwarz wechseln. Dann werde ich sie mit dem Hammer schlagen, erstechen, ertränken und dann weg damit, in die blaue Ablage.
Hoffentlich werde ich dafür nicht als Brötchen wiedergeboren.
...
[05:14]
Wenn man der Chaostheorie glaubt habe ich grade in Indonesien 30 Brötchen um die Ecke gebracht. Oder so ähnlich.
...
[05:16]
Ich blogg aber auch jeden Scheiss. Ich geh jetzt mal den Käse schneiden, da komm ich vielleicht auf andere Gedanken.
Käse schneiden, das musste ich früher auch immer machen, nach dem letzten Dessert, für die Frühstückstante, weil die keinen Bock hatte. Oder weil sie Chefin war.
Vielleicht auch Beides, ich weiss nicht so genau.
Und weil der Posten immer schon sauber und die Aufschnittmaschine Scheisse war konnt ich dann gleich nochmal alles wischen.
Manchmal hab ich das auch vergessen. Wenn ich dann am nächsten Tag kam war Manni böse weil ich sein heilig's Brettle eingesaut hab. Zur Strafe musste ich manchmal Kartoffeln schälen oder Jus passieren. Oder Beides.
Aber davon ein Andermal mehr, wir waren ja beim Käse.
...
[05:24]
Da fällt mir grade ein: Der Silberschale wollt ich's ja noch besorgen bevor da jemand dran kleben bleibt. Je älter man wird desto mehr Kreise schliessen sich. Ach ja.
...
[05:36]
Als ich weg war haben sie den Käse bei Aldi gekauft. Die Wurst auch. Ungefähr 1 Million verschiedene Sorten. Fix & fertig geschnitten & verpackt. Das muss man sich mal vorstellen.
...
[05:54]
Croissants haben fertich. Also die Brötchen, dann.
Manni hat auch prima Bayrisch Crème gemacht.
Als rechte Hand des Küchenchefs stand mir der Spruch zu: "Ist das etwa übrig?" Wenn das Menudessert war und Sonntag abend, dann war das meistens übrig. Schwierig war das vor dem Wochenende. Da musste es heissen: "Bleibt da was übrig?" oder, in dringenden Fällen: "Da ist bestimmt noch was übrig!"
Bei manchen Sachen, wie z.B. Tonkabohneneis, Crème Brulée oder Fruchtdesserts war das immer so gut wie aussichtslos. Besonders bei der Brulée, da konnte man nich tricksen, er hat die immer auf Abruf frisch geschoben.
Ich hab mir in der Regel damit beholfen dass der Fressnapf zumindest bei den portionierbaren Desserts schon neben dem fraglichen Behältnis stand bevor das losging. Da ist mir manches Kügelchen Mousse in den Hals gehopst.
Meistens war Manni so mit den Hauptgängen beschäftigt dass er nix gemerkt hat. Es ist auch immer genau aufgegangen. Er war stolz auf sein Augenmass, ich hab mehr oder weniger heimlich die beiseite geschafften Leckereien genascht & alle waren glücklich & zufrieden.
Ja, so war das damals.
...
[06:45]
Ich hab ganz vergessen die Menukarten zu machen. Oh shit. Ich blogg mich noch in Teufels Küche.

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Mittwoch, 15. August 2007
[00:17]
So, da sind wir wieder, hmhm. Bissi kurz & schnell vorbei, so ein freier Tag. Bin ich tatsächlich gestern um halb 11 (abends) hochgeschreckt & war schon fast in den Plünnen mit der Brausebirne als mir einfiel dass ich ja frei habe.
Grade nochmal gutgegangen. Puh.
...
Morgen Feiertag, sicher was Katholisches. Das bedeutet: morgen mittag kommt das Popelingeschwader, die übriggebliebene Rente abfressen. Auf einen Schlag 3000 Jahre im Restaurant. Da freut sich Kollege Prinz, kann er denen bisschen Schleuderservice verabreichen. Bin ich vielleicht froh dass ich mit sowas nix mehr zu tun habe. Alten Tanten das Gemüse vorzählen. Viertelchen Offenen in der Karaffe, das ist nich so teuer, das kann man schon mal riskieren, ist ja Feiertag. Zu Hause dann heimlich am Likör süffeln, die roten Nasen kommen nicht vom Abstinenzlertum. Ganz manierlich mit Messer & Gabel, die Serviette ordentlich im Kragen. Kein Dessert, danke schön - Sie wissen schon; die Figur. Nicht, dass es in dem Alter noch 1 Unterschied machen würde. Fressen sich mit den Augen kreuz & quer durch die Karte, wollen Alles erklärt haben und nehmen dann doch das Gleiche wie immer. Geschnetzeltes mit Reis kann man notfalls so runterschlucken wenn das mit dem Gebiss wieder nich hinhaut. Das Sössken aber bitte extra und mit nicht zuviel Sahne wegen der Verdauung. In dem Alter ist man nich mehr so schnell auf dem Toilettenstuhl. Fehlt nur noch die Schnabeltasse.
Und nach dem Service erst mal alle Fenster auf.
...
Jetzt aber erstmal Karten ändern, verbessern, Preise raussuchen, drucken, einkleben.
Normalerweise reicht es wenn ich nur das Menu ändere. Montag erst alle Karten komplett neu gedruckt weil kuddelig & Schweinkram. Jetzt fällt dem Topfgucker ein dass er dringendst noch was umdingsen könnte. Nicht dass er das am Sonntag sagt, da kommt er die Nacht vorher angedackelt mit. Zu lange am Herd gestanden, wenn Sie mich fragen. Das ist die Hitze beim Kochen. Da trocknet das Hirnschmalz ein.
Und sowieso: Ist ja nich viel los & hat er sonst nix zu tun.
Ich auch nicht, da geht die Zeit mal rum.
Naja.
...
[01:43]
Ich bin kotzmüde. Mit den auseinandergerupften freien Tagen, also das ist nix für mich.
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Ich könnte mal wieder 1 Seminar. Das letzte ist auch schon wieder ewig. "Richtiger Umgang bei Reklamationen". War lustig, hätte ich sogar beinahe 1 Stich gemacht. Wurde aber nix, 54 war mir definitiv zu alt. Für Nekrophilie bin ich nicht zuständig.
Oder besser gleich Bücher kaufen. Kein Wisch zum Einrahmen, kein möglicher Flirt - aber Nachschlagewerk. Macht sich auch gut im Regal wenn Besuch kommt.
...
Ich habe einen Fleck auf der Hose. Ausgerechnet meine Lieblingshose. Dabei hab ich die am Samstag erst gewaschen. Es ist wirklich 1 Kreuz. Wenigstens am Knie, das ist nicht so verfänglich. Sieht aber keiner, ist ja keiner da ausser mir. Und der Grossherzog wird wohl nicht grad heute Nacht zu Besuch kommen.
...
[02:11]
Wie kommt das eigentlich dass die mit der Fahne oder den Schweissmauken im Bus immer genau hinter mir sitzen?
...
Es ist erbärmlich wärmlich. Morgen um die Zeit ist die Klimaanlage aber an wenn das wieder so warm ist. Ich zerfliesse ja förmlich.
...
[02:17]
Grad bisschen Regen.
Wenn ich es den Karten besorgt habe will ich mir einen kleinen Snack gönnen. Am Fenster, mit Blick auf den Kreisel.
Die Ersten mit *henn-henn* und *woschhhh* sind schon dagewesen. Da kann alles Mögliche passieren. Wer weiss, wenn ich Glück hab fährt sich vielleicht noch einer den Hals ab bevor die Nacht vorbei ist.
...
[02:52]
Was sehen meine entzündeten Augen:
Von den anerkennenden Blicken der anderen Fahrgäste konnte ich ablesen, daß mein Spruch gut gewählt war.
Also ich habe damit nix zu tun wie ich eilig hinzufügen möchte.
...
[03:44]
Die Ausbeute an Schleuderdramen lässt zu wünschen übrig. Heute ist mir aber auch gar nix vergönnt.
...
[04:26]
Ich bin so müde. Ich könnte schreien & ganz kleine Äuglein schon.
...
Nachher noch Milch, Kaffee, Marmelade & dann ab in den Zuch & nach Hause. Dann noch 2x aufstehen und wieder 1 freien Tag.
Ich fürchte mein Arbeitseifer ist momentan nicht zu stark ausgeprägt.
...
Wer den Fressnapf nicht ehrt ist die Plautze nicht wert.
...
Everything you've been running from your whole life comes slamming into your ass. It keeps coming for years. And you never have to stop dealing with it.
Unglaublich: Mary Gauthier
Wer lesen will muss auch hören.
...
[04:53]
Ich habe meine Berufung gefunden, endlich.
Ich werde schreiben. Natürlich über Musik.
Ein Standardwerk über Frauen im Musikbusiness.
Titel: "Warum Shania Twain mich anturnt"
Die Biografie von Kylie Minogue hab ich schon gelesen. Aufbaustudium, sozusagen.
...
[06:00]
Okay, das wars. Naja, fast.
Paar Kleinigkeiten noch, das schaffe ich schon.
Und dann:

Müde bin ich geh zur Ruh,
decke meine Plautze zu.
Lebt wohl, ihr bösen Sorgen.
Leckt mich am A**** bis morgen.
Und morgen mit dem gleichen Fleiss
gehts wieder an den gleichen Sch****

Ihnen Allen einen erfolgreichen Arbeitstag. Wir sehen uns morgen.
Gleiche Zeit, gleicher Ort, gleiche Waffen.
:)
...
[06:18]
YESSSSSSS
Grade hat sich so ein Wochenend-Banker-Biker mit seiner Hochglanz-Harley auf die Fresse gelegt. Das schöne Moped. Die Armani-Jeans werden wohl was abgekriegt haben. Und das neckische Lederjäckchen dürfte auch ein wenig zerschrammt sein. Da macht ihm seine Alte die Hölle heiss.
Jetzt noch Bierkrug am Gürtel & Ledertasche an der Kette dann ist das Mannbarkeitsritual vollständig.
Dieser Kreisverkehr ist unbezahlbar.

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Mittwoch, 11. Juli 2007
07:10 schiebt sie an. Erste Handlung: Dienstplan nach Gusto umschreiben. Zweite Handlung: Urlaub beantragen. Dritte Handlung: E-Mails lesen.
Wie gut dass ich Alles schriftlich festgehalten habe. Gut sichtbar hingelegt damit sie's ja nicht übersieht. Hat die Hälfte vergessen & 1 super Anschiss kassiert weil sie am Plan gefummelt hat. Das ging mir ja rein, Kollege Prinz hat's mir heimlich zugetragen.
Das geschieht ihr recht. Hihihi.
>:-)
...
Chäffe heute abend im Vorbeigehen:
"Sag mal, willst nicht eine Woche Urlaub nehmen?"
Was, glauben Sie, habe ich geantwortet?
...
Irnzwatt is hier faul im Staate Dänemark. Ich spüre das im Gemächt Urin. Ich weiss noch nicht, was. Aber das kriege ich schon noch raus.
...
So, jetzt nochmal angasen & dann nix wie wech. Wir sehen uns. ;-)
...
[06:14]
Die ist schon da, was ist denn hier los...
...
[06:28]
Irrationale Wahnvorstellungen suchen mich heim, ich habe mich da bestimmt verhört:
"Du hast doch jetzt Urlaub, wollen wir nicht mal zusammen essen gehen. Ich kann ja auch bei mir was kochen. Prinz ist am Freitag weg. Da könnten wir es uns doch gutgehen lassen."
Hm.

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Dienstag, 3. Juli 2007
Man wird mir Undankbarkeit vorwerfen, Egoismus und Ignoranz. Es ist mir egal.
Der Glaube an die Macht der Kommunikation fordert ihren Tribut.
Andere Mütter haben auch schöne Töchter. Soviel dazu.
Je me suis fait plumer assez longtemps.

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Mittwoch, 27. Juni 2007
Um 1 Uhr in der Nacht nochmal die Friteuse angeschmissen, für Spätanreise. Vater & Sohn. Was tu ich nicht alles für meine Schutzbefohlenen.
Der Sohn ist vom Fach, auch. Koch. Soso.
Das Bier geht aufs Haus. Ehrensache unter Kollegen. Mal in Kleve blicken lassen & Revanche trinken.
...
Heute nachmittag Begräbnisfeier im Wintergarten. Die sassen da noch als ich kam. Das Kind unter die Erde gebracht, nach Unfall auf der Autobahn in der Nähe von Reims. Ganzer Bus voller Kinder, praktisch ungebremst in voller Fahrt auf einen stehenden LKW geknallt. Drei haben es nicht geschafft, andere schwer verletzt, lebenslange Schäden zu erwarten.
Noch nicht bekannt ob es passierte während oder nachdem der Fahrer mit dem Handy telefonierte.
...
Chaos überall, muss was tun. Wer sagt dass Nachtportiers eine ruhige Kugel schieben.
...
[später]
Restaurant umgebaut & Buffet steht. Wintergarten umgebaut & fertig. Flaschen gezählt & Durchblick. Tagesabschluss gemacht & Papier produziert.
Tässchen Kaffe (ist immer wieder lecker), Brötchen backen & Croissants.
Dann noch Kühlschränke, Bestellung machen, Fleisskärtchen kassieren, abschieben.
Puh.

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Dienstag, 29. Mai 2007
Um 7 Uhr soll sie hier sein.
Ich erwarte sie mit der Klinke in der Hand.
Es wäre besser wenn sie nicht zu spät kommt.

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Sonntag, 27. Mai 2007
Es ist 04:44 Uhr morgens, ich warte auf die Jungs ohne Augenfalten und Esskultur, das Taxi ist schon bestellt. Noch etwas Zeit, Nostalgie schleicht sich ein, die einsame Nacht tut ihre Wirkung: ich schwelge in Erinnerungen.

4. Mai, das letzte Wochenende im Urlaub geht zu Ende. Ich drösele grade am PC als das Handy klingelt. Die Kollegin M. ruft an:
"Kannst Du heute abend ausnahmsweise arbeiten, der Chef fliegt morgen früh, das Haus ist voll und ich hab bis heute abend schon genug Stunden runter, ich komm nicht morgen um 5 Uhr für Frühstück."
"Ja sicher, klar. Ich dachte, S. ist morgen früh da?"
"S. hat sich vorhin krankgemeldet."
"Oh, ach so. Ja gut, ich komm dann nachher kurz rein, dann können wir das noch bekakeln."
Kollegin S. konnte, so stellt sich an diesem Abend heraus, auch am Wochenende davor nicht arbeiten, weil irgendein Neffe siebenundvierzigsten Grades ganz dringend jemand brauchte, der für seine Hochzeit noch schnell die Servietten faltet. Oder so ähnlich.
Also Freitag abend ran, Samstag früh schnell in den Zug und wieder ab nach Hause, den letzten Urlaubstag noch ein bisschen geniessen. Das Handy mache ich aus. Sicher ist sicher.

Freitag, der 11. Mai.
Ich liege seit 20 Minuten im Bett, klingelt das Telefon. Kollegin S. ist dran.
"Hör mal, würde es Dir was ausmachen, heute abend zu arbeiten? Ich wollte gleich nach der Schicht zu meiner Familie fahren und bräuchte morgen früh nicht so früh hiersein."
Ich kaue noch am letzten Wochenende.
"Nein, ausserdem hab ich schon was vor heute abend, ich geh zum Konzert, tut mir leid."
"Ach so, naja gut. Also dann bis Sonntag."
Handy aus. Besser spät als nie.

Sonntag, der 13. Mai.
Ich bin schon früh da, schnell ein Tässchen Kaffee abgreifen und dann ab in die Stadt, schönes Wetter heut, vielleicht Bilder machen.
Kollegin M. steht mit angefressenem Gesicht in der Küche.
"Sag mal, was machst DU denn hier?"
"S. hat mit dem Chef ausgemacht dass ich sie am Wochenende vertrete."
"???"
Die ruft also echt den Alten im Urlaub an, erzählt ihm einen vom Huftier und warum sie ganz fürchterlich dringend am Wochenende nicht arbeiten kann. Der Chef: "Ist mir egal wie ihr euch einigt. Hauptsache ist jemand da."
Dann ruft sie M. an, der Chef habe gesagt sie müsse am Wochenende Vertretung blablabla... Aber Sonntag abend sei sie da, kein Problem, M. könne dann gerne zuhause bleiben.
Sonntag abend, ich trete an, S. ist tatsächlich anwesend, steht sprungbereit mit der Tasche unterm Arm da und trällert im Vorbeigehen: "Die Kasse muss noch gemacht werden, ich hab keine Zeit, muss sofort weg. Ich komm morgen ein bisschen später, muss zum Blutabnehmen."
Nachdem der Kaffee wirkt und ich langsam zu mir komme bin ich erstmal sprachlos.
Das "bisschen später" am nächsten Morgen entpuppt sich als ausgewachsene anderthalb Stunden. Natürlich ist der meiste Stress schon gelaufen als sie kommt, also erstmal private Post erledigen, E-Mails lesen, Internet surfen.
Langsam, aber sicher kriege ich einen dicken Hals. Ich sage nur "Tschüss" und gehe.
Shit happens.

Aber hey, es ist Sonntag früh, eigentlich habe ich frei. Was ich um diese Zeit trotzdem hier mache, fragen Sie sich? Ich will es erklären.
Das ging so:

Freitag, 25.Mai 2007 - 07:35 Uhr
Kollegin S. hat Frühdienst, ab 07:00 Uhr.
"Morgen"
"Morgen. Na, spät dran heute?"
"..."
Kurzes Briefing wer wann, wo, mit wem und warum.
"Hörst Du mir eigentlich zu?"
"Ja"
Surft im Internet, liest E-Mail. Dann:
"Oh, ist aber viel los am Wochenende."
"Ja, Montag ist Feiertag. Denkst Du an den People von Zimmer 34 mit seinem Bügeleisen?"
"Jaja."
"Und das Taxi für die Schlipsträger nicht vergessen."
"Jaaahaaa. Sag mal, was machst Du am Wochenende?"
"Ich hab' was vor. Wieso?"
"Och, nur so."
Ich gehe gleich das Handy ausschalten, nochmal kriegen die mich nicht. Dann ab in den Keller, der Weinmensch hat geliefert, das will ich weghaben bevor ich nach Hause fahre.

10 Minuten später, ich bin grade mittendrin in den Weinkisten, schreit der Küchenjunge:
"Louis, Louis! ... Louis???!!"
"Was ist denn jetzt schon wieder. Kann man nicht mal 5 Minuten in Ruhe..."
"Komm schnell, Du musst schnell kommen!"
"Was ist denn LOOOS!"

Ich komme grade die Treppe hoch, da sehe ich die Kollegin noch aus dem Augenwinkel, Jacke an, Tasche in der Hand:
"Ich komme am Wochenende nicht, bin erst am Dienstag wieder da."
Und weg ist sie. Mir fehlen Reaktion und Worte.
Der Küchenjunge:
"Ihr Vater ist gestorben."
Aha. Ach so. Ja, also das ist natürlich was Anderes. Da kann man nix machen. Ich schleiche durch die Küche, um den Pass, drücke die Tür einen Spalt weit auf, peile um die Ecke. Mein Gott.

Das Restaurant ein einziges Chaos. Kein Tisch abgeräumt, kein einziger, die Gäste sitzen einträchtig mit wildfremden Leuten an einem Tisch, schieben schmutziges Geschirr händewischend zur Seite und bearbeiten leere Kaffeekannen. Kein Aufschnitt mehr und kein Käse, keine Milch, Teewasser ist aus und den letzten Rest Orangensaft hat ein rücksichtsloser Gast jemand Anderem vor der Nase weggeschnappt. Ich komme nicht mal dazu mich zu fragen was zum Geier sie eigentlich die ganze Zeit gemacht hat, es bröckelt an allen Ecken und Enden.
Der Chef steht plötzlich in der Tür, in Jogginghose, Latschen, ungekämmt, unrasiert. Er hat am Vortag Doppelschicht geschoben, ist erst nachts um halb zwei nach oben und ist ausreichend verwirrt. Ich erkläre das Wenige der mir bekannten Umstände.
"Bis gleich."
Nach 15 Minuten ist er wieder da, geduscht, rasiert, im feinen Zwirn. Mentale Notiz: Das ist neuer Rekord.
Die nächsten zweieinhalb Stunden gehören uns: wir schwitzen Blut, Wasser und sagen unaussprechliche Dinge. Wir kämpfen gegen Tischdecken von der Größe mittlerer Toppsegel, pflügen uns durch verlassene Brötchenlandschaften, Milchsee und Butterberg stehen wir Auge in Auge gegenüber. Firmenrechnungen, Kreditkartenbelege, Kaffeetassen, abstrakte Marmeladenkunst und - einmal - eine Serviette mit wässrig-glibberigem Eiweiss, wie hingespritzt. Alles geht durch unsere Hände, verschwimmt zu einem Wirbel persönlicher Beichten über Erziehung, Reinlichkeit und Tischmanieren. Wir erteilen global die gastronomische Absolution und büßen praktischerweise gleich mit, auch für die spärlichen Sünden unseres eigenen Lebens.
Um 11:30 ist das Restaurant eingedeckt, wir kratzen uns die Marmelade aus den Haaren, Tässchen Kaffe im Stehen und teilen uns brüderlich das letzte Croissant.
"Sag mal, Du kannst Dich ja noch richtig schnell bewegen, wie." Ich grinse verschämt, was soll ich auch sagen. Da ist noch Schweinkram am Hemd, direkt über der Plautze, ich pule konzentriert.
"Ich geh schnell mit dem Hund und nochmal Duschen. E. muss jeden Moment hiersein, kannst Du nur noch schnell die Getränke machen bei Tisch sieben." Kann ich, das Prinzchen (seines Zeichens Mitbewohner in ihrer WG) hat das Drama wohl schon mitbekommen und wird ja wohl etwas früher kommen.
Es ist 10 nach Zwölf, das Restaurant füllt sich. Der Kollege Marke Prinz dackelt an, grient ein freundliches "Verschlafen" und holt sich erstmal ganz entspannt einen Kaffe während Tisch sieben mit der Karte winkt und die Omas in der Ecke ihre Frisuren betatschen. Naja, ist jetzt auch schon egal.
Der Chef kommt wieder. Dann:
"Kannst Du Samstag abend kommen, bitte. Die Hütte ist voll. Hab grade mit M. telefoniert (die andere Kollegin), die kommt morgen früh. Ich mach dann heute Feierabend." Damit hat sich das Essen mit seiner Familie dann auch erledigt.

Ich nicke nur stumm, ertränke den Jazzbrunch am Sonntag morgen mit einem Schluck aus der Tasse und gehe erstmal den Rest Wein einräumen. Dabei höre ich dann, so ganz nebenbei, das fragliche Familienoberhaupt sei gar nicht abgekratzt, nur im Krankenhaus. Und der Kollege Prinz hat eine SMS erhalten; es sei ihr (der Kollegin mit dem totgesagten Vater) unmöglich, vor Dienstag zur Arbeit zu kommen.
Das ist wirklich ausserordentlich günstig. Montag ist Feiertag und wir sind bis Montag voll ausgebucht, das könnte ja noch in Arbeit ausarten.
Ich schiebe die letzten Kartons zusammen und beschliesse, aus meinem Herzen keine Mördergrube zu machen. Nicht heute, ich bin kotzmüde und es lohnt den Aufwand nicht. Eine innere Stimme sagt mir dass sich da jemand Anderer schon drum kümmern wird.

Mein Chef ist der mit Abstand beste den ich bisher hatte. Eine Seele von Mensch, absolut korrekt, immer freundlich und höflich, jeder kann mit allen seinen Problemem zu ihm gehen, und wenn er helfen kann (und das kann er eigentlich immer, auch ausserbetrieblich), dann langt er gerne hin mit Finanzspritze, Gesprächen, Trost und seinen guten Beziehungen, er hat auch schon manche Schicht freiwillig geschoben für uns.
Aber ich befürchte zuversichtlich: diesmal ist er wirklich böse.

Ich geh dann mal Croissants backen.

Bis heute abend.

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29.12.2006
So, hmhm. Natürlich bei der Inventur vergessen, den Prickel zu zählen. Grad noch rechtzeitig gemerkt, puh.

Heute ist Freitag. Frei-Tag. Gleich kommt die Kollegin von der Frühschicht, dann kann ich (endlich) mal wieder pünktlich abdackeln.

Sehr cool auch: Bis zum 1.1. gegen 17 Uhr geht erstmal garnix. Nicht hier, nicht bei blogger.de, nicht nirgendwo anderst.

Ich fahr nach Hause, geil. Und zuhause habsch kein Internet, das ist gut so. Und was noch besser kommt: Kein Stress, keine Überstunden, kein Gesülze. :)

Den Muscat von gestern habsch noch probiert, leider absolut untrinkbar. Aber das war ja vorauszusehen, man kann nicht Alles haben.

Und jetzt: Licht aus. *klick*

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28.12.2006
Alles ist wieder gut. Drei Tage ausspannen können Wunder bewirken und tragen entschieden zum allgemeinen Wohlbefinden bei: Templates anpassen, Schlafen, Deus Ex spielen, schlafen, Webseite pusseln, lesen, schlafen, Deus Ex spielen, Musik hören, schlafen, Deus Ex spielen.
Ich bin sonst nicht so für Ballerspiele, hier mache ich mal eine Ausnahme weil weniger das Ballern als vielmehr Grips und Einfallsreichtum gefragt sind. Nun ja. Noch 2 mal aufstehen, dann ist wieder 4 Tage Ausspannen angesagt. Mit Deus Ex spielen etc.

Dafür habe ich diese Nacht aber noch für die spärlichen Sünden meines Lebens büßen müssen. Und das ging so:

Heute mittag, 13 Uhr (nach 14 Stunden): "Ja, also Du kannst dann gehen wenn Du willst. Ich brauche aber noch bis morgen früh die Inventur. Ist doch sicher kein Problem. Oder?" Das "Oder" mit drohend hochgezogenen Augenbrauen. Also Papier produzieren, Listen drucken, Preise suchen (und nicht finden), Flaschen zählen, schätzen, umräumen, ausräumen, wegräumen, fluchen, auf den Knien peilen, unter die Regale rutschen, das Hemd einsauen, mit der sauberen Hose den Fußboden wienern. Aber tja, naja.

Nette Anekdote am Rande: Jede Menge Muscat d'Alsace ganz überraschend gefunden, gut versteckt im hintersten Winkel, unter Tonnen von Kisten begraben. Das Leben ist voller Überraschungen. 10 Jahre alter Muscat, haha, der dürfte jetzt platt sein. Ich werde aber zur Sicherheit mal ein Fläschchen probieren, man kann nie wissen.

Den hat der Kollege Vorgänger
a) vergessen
b) beiseite geschafft und dann vergessen
c) beseite geschafft weil kein Bock einzuräumen

Ich persönlich optiere für Möglichkeit c) - so kennt man ihn, so liebt man ihn. Arbeitskollege durch und durch.

Das wird bestimmt lustig wenn ich dem Gebieter das sage. Mal gucken ob er ausflippt. Ich war's net, ist net meine Schuld, hab ich nix mit zu tun. Ich hab den Weinkeller erst vor zwei Wochen übernommen, mir kann da nach menschlichem Ermessen nix passieren. Ich bin's net gewesen.
Wenn der Kollege aus dem Urlaub kommt kriegt er höchstwahrscheinlich erst mal einen Anschiss.
Oder vielleicht sollte ich auch gar nix sagen, wenn der trinkbar ist ist ja okay, ansonsten kann man den immer noch in der Küche verballern. Hm. Vielleicht kann man da beim Kollegen noch ein Essen rausschlagen. Hihi. :o)

Ich bin dann soweit fertig, nur noch alles zusammenzählen nachher, dann kann er das haben. Und jetzt geh ich mal Frühstücke eindecken, man muss ja irgendwie die Zeit rumkriegen. Gleich kommen die Ersten und schreien nach Kaffee.

Mein Gott, ich liebe diesen Job.

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